Zur Baugeschichte der Pfarrkirche

Luftaufnahme der Kirche mit Teil vom Friedhof. Foto 1960.
Luftaufnahme der Kirche mit Teil vom Friedhof (1960).

Die Pfarrkirche ist das älteste Gebäude der Gemeinde Hundsangen und dem hl. Goar geweiht. Hierzu einige Erläuterungen zur Abrundung des Gesamtbildes des Bauwerkes der Kirche und zur dendrochronologischen Untersuchung.
Die jetzige Pfarrkirche zeigt uns ein Bild aus drei Bauepochen: der Romanik, dem Barock und der Neuzeit:

  • der romanische untere Teil des Kirchturms,
  • das Mittelschiff aus der Barockzeit,
  • das Querschiff mit Chor aus der Neuzeit.

Der älteste, aus der Romanik stammende, untere Teil des Kirchturms reicht bis zum Kranzgesims oberhalb der von Säulen unterteilten Fensterarkaden.

Die Höhe des alten Turmes wurde im Brandkataster von 1858 mit einer Stockhöhe von 60 Fuß = 18,84 m und einer Dachhöhe von 26 Fuß = 8,16 m angegeben. Zu Grunde gelegt wurde der Rheinische Fuß mit 0,314 m Länge. In diesem unteren Teil des Kirchturms wurde im November 2015 und im März 2016 eine dendrochronologische Untersuchung durchgeführt. Das Ergebnis führte zum Resultat, dass dieser Teil in der Zeit von 1165 bis 1180 gebaut wurde. Der obere Teil des Kirchturms wurde 1877 bei der Kirchenrenovierung um ein weiteres Geschoss mit Dachstuhl aufgestockt. Die gesamte Stockhöhe des Turmes beträgt heute 21,35 m. Der Dachstuhl hat eine Höhe von 17,55 m. Somit hat der Kirchturm eine Gesamthöhe von 38,90 m. Diese Höhenmaße wurden bei der Kirchturmrenovierung 1998  von Uwe Diehl (Fa. Urban) und Heinz Ludwig gemessen.

Unter Pfarrer Heuser wurde vor 1722 die alte romanische Kirche ohne Kirchturm abgerissen, vermutlich aus Platzgründen in der Kirche. Die Ausmaße dieser romanischen Kirche kann man heute anhand vergleichbarer Daten von anderen romanischen Kirchen nur vermuten. Bei dem Umbau der Kirche 1964 – 67 wurden im Kirchenschiff Fundamente gefunden, die von vermutlich von der romanischen Kirche stammen sollen. Der damalige Pfarrer Fischbach hat dieses leider nur mündlich mitgeteilt. Von dieser romanischen Kirche existieren keine Pläne und Unterlagen mehr. Auch deren Alter war uns nicht bekannt. Trotz vieler Recherchen in den bekannten Archiven wurden bisher keine Zeichnungen oder Unterlagen der romanischen Pfarrkirche von Hundsangen gefunden.

In der zweiten Bauepoche, der Barockzeit, wurde das Mittelschiff mit Chor 1722 – 26 unter Pfarrer Heuser errichtet.

Die dritte Bauepoche stammt aus der Neuzeit. Wieder wurde wegen der engen Platzverhältnisse in der Barockkirche eine Erweiterung vorgenommen. Der 1722 – 26 errichtete Chor wurde 1964 abgerissen, und dort wurde von 1964 – 67 ein Querhaus mit Chor errichtet. Hiermit erhielt die heutige Pfarrkirche ihr jetziges Bild.

Alle Bauzeiten der Hundsänger Pfarrkirche waren bekannt, bis auf den unteren Teil des Kirchturms, der romanischen Ursprungs ist. Auf Grund der dendrochronologischen Untersuchung, die jetzt durchgeführt wurde, konnte das Baujahr des unteren romanischen Kirchturms und somit der Ursprung der romanischen Kirche bestimmt werden. Mehrere Jahrhunderte lang gab es Vermutungen, dass die ursprüngliche romanische Kirche etwa im 12./13. Jahrhundert erbaut wurde. Ich selbst habe Jahrzehnte lang Nachforschungen angestellt, die mich zu dem Ergebnis brachten, dass die romanische Kirche, eben der untere Teil des Kirchturms, im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Dies wurde nun durch die wissenschaftliche Untersuchung bestätigt. Ein großes Anliegen ist damit in Erfüllung gegangen. Die letzte große Lücke in der Baugeschichte der Hundsänger Pfarrkirche ist nun geschlossen. Wir können stolz auf unsere Vorfahren sein, was sie vor ca. 840 Jahren hier in unserem Ort geschaffen haben. Nun noch ein paar Zeilen zu der dendrochronologischen Untersuchung. Die dendrochronologische Untersuchung ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand unterschiedlicher Breiten einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden. Mehrere andere Faktoren spielen hier noch eine Rolle. Dies alles ergibt ein Gesamtbild und somit eine ziemlich genaue Aussage über das Alter des Holzes der Bäume. Hierzu gibt es eine Jahresringechronologie, die von der Gegenwart bis in die Vorzeit zurück reichen. Im alten Teil des Kirchturms der Hundsänger Pfarrkirche wurde nach alten Holzteilen im Mauerwerk gesucht und auch gefunden. Wichtig hierbei war natürlich, dass das Holz in der Entstehungszeit des Turmes eingemauert und brauchbar für die Untersuchung war. Mit den eingemauerten Holzteilen wurde die dendrochronologische Untersuchung durchgeführt. Man geht davon aus, dass das Holz für den Bau frisch geschlagen und anschließend eingebaut wurde.

Hierzu auszugsweise das Ergebnis der Untersuchung und deren Verlauf:

Die Untersuchung wurde vom Büro für Bauhistorische Gutachten Dr. Hans-Hermann Reck, Wiesbaden am 17.11 2015 und am 21.03.2016 durchgeführt. Das Untersuchungslabor war das Jahresringlabor Hofmann aus Nürtingen.

Nach dieser Untersuchung steht das Alter der romanischen Kirche und somit des jetzt noch vorhandenen unteren Teils vom Kirchturm fest. Hundsangen wurde bekanntlich 1096 erstmalig urkundlich erwähnt, obwohl der Ort weitaus älter ist. Die Ortsgründung dürfte nach vorsichtigen Schätzungen ins 7./8. Jahrhundert fallen. Da in etwa zur gleichen Zeit das Christentum hier Fuß gefasst hatte, kann man auch annehmen, dass es hier in Hundsangen einen Ort gegeben hat, wo sich Christen versammelten. Ob es ein Gebäude aus Holz oder Stein war, auch wo die Stelle sich befand, ist ebenfalls unbekannt.

Die Kirche heute.
Die Kirche heute.

Eine Kirche wird es in Hundsangen schon sehr früh gegeben haben, denn Hundsangen zählte mit Nentershausen, Salz und Meudt zu den zentralen Orten des Christentums in unserem Raum. Zur Bauzeit unserer romanischen Pfarrkirche von 1165 bis 1180 gehörte unser Heimatort Hundsangen zur Grafschaft Diez und kirchlich zur sehr bedeutenden alten Erzdiözese Trier.

Die Bischöfe aus dieser Bauzeit waren:

Hillin von Falmagne 1152 – 1169
Arnold I. von Valcourt 1169 – 1189

Mit der jetzigen Untersuchung können wir nun einen Blick in die Vergangenheit werfen. Vielleicht wird es uns mit Hilfe der Technik in Zukunft möglich sein, weitere Details von älteren Bauwerken festzustellen. Zum Schluss bedanke ich mich bei dem Diözesankonservator Prof. Dr. Matthias Kloft für die fachliche und finanzielle Hilfe und bei dem ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden Herrn Karl Hammes und Herrn Heinz Wehrmann für ihre Unterstützung.

 

Quellen:

  • Pfarrarchiv Hundsangen
  • Gemeindearchiv Hundsangen
  • Wikipedia
  • Hundsangen – Ein Westerwalddorf in neun Jahrhunderten 1096 – 1996 (Historischer Ausschuss 1996)
  • Gutachten – Büro Dr. Hermann Reck, Wiesbaden

im Mai 2016
Heinz Ludwig