Hundsangen stellt sich vor

Ansicht von Hundsangen.
An der Bundesstraße 8 (früher Hohe
Straße Köln – Frankfurt) am
südlichen Hang des Westerwaldes liegt eingebettet in Felder,
Wiesen und Wälder das traditionsreiche Dorf Hundsangen nahe
den Städten Montabaur und Limburg/Lahn.
Der Ort selbst liegt ca. 235-265 m ü. NN. Seine
höchste Erhebung, der Ölberg, ist durch den
Basaltabbau von 343,9 m auf ca. 310 m geschrumpft. Die
Gemarkungsfläche von Hundsangen beträgt 763 ha.
Die Gemeinde zählt 2158 Einwohner (Stand: 31.03.2010). Der
größte Teil der Bevölkerung arbeitet in der
näheren Umgebung. In Hundsangen selbst beschäftigen
einige größere und kleinere Gewerbe- und
Handwerksbetriebe nur einen geringen Teil der Dorfbewohner. Die vormals
landwirtschaftlichen Betriebe sind alle aufgegeben. Einige davon werden
heute noch im Nebenerwerb weiter bewirtschaftet.
Die medizinische Versorgung ist durch zwei Arztpraxen und eine
Zahnarztpraxis gewährleistet.
Für die vorschulische Erziehung gibt es einen Kindergarten und
als schulische Einrichtung eine Grundschule.
An Freizeitstätten werden eine Schießsportanlage,
ein Sportplatz, eine Turnhalle und ein weithin bekanntes beheiztes
Freibad angeboten.
Angelsportfreunde haben die Möglichkeit, an einem Fischweiher
ihrem Hobby nachzugehen.
Das kulturelle Leben wird von ca. 18 Vereinen gestaltet.
In ausgedehnten Wäldern und Fluren findet man Ruhe und
Erholung. Ein besonderer Genuss ist ein Panoramablick vom
Kreuz am Ölberg. Von hieraus hat man eine herrliche Fernsicht
auf die Westerwald- und Taunushöhen.
Wegen seiner verkehrsgünstigen Lage ist Hundsangen besonders
geeignet als Ausgangspunkt für Tagesausflüge und
Wanderungen zu vielen sehenswerten geschichtsträchtigen Orten
wie Diez, Hachenburg, Hadamar, Koblenz, Limburg, Montabaur, Weilburg
uvm.
Ebenso lohnt sich auch ein Dorfrundgang, bei dem man vieles entdecken
kann. Auch ist in Dorfnähe eine parkähnlich angelegte
Baumschule.
Mit einem Besuch in unserer altehrwürdigen Pfarrkirche St.
Goar als Ort der Ruhe und Besinnung kann man seinen Rundgang beenden.
Der geologische Aufbau des Gebietes um Hundsangen

Kreidefelsen in der Boschern.
Die Gemarkung Hundsangen liegt im Grenzbereich von Westerwald und
Limburger Becken.
Unsere Landschaft ist geprägt von Bergen und Tälern,
deren Entstehung bis in die frühe Erdgeschichte
zurückreicht. Wir sind Teil des Rheinischen Schiefergebirges.
Im Erdaltertum, zur Devonzeit vor etwa 350 Millionen Jahren, war unsere
Heimat, wie ganz Mitteleuropa, von einem großen Meer
(Devonmeer) bedeckt. In dieses Meer brachten Flüsse
große Mengen von Geröll, Sand und Schlamm, die sich
zu mächtigen Schichten auf dem Meeresgrund ablagerten. Diese
Schlick- und Sandschichten verfestigten sich im Laufe der
Erdgeschichte. Es entstanden die Schiefer- und Sandsteine (Grauwacken)
des Unter- und z.T. Mitteldevons.
Am Weg zur Pletschmühle in der Boschern entdeckt man
Kalksteinvorkommen und weithin sichtbar die graurot bis rot
gefärbten Platten-, Knollen- und Flaserkalke aus
dieser Zeit. Ebenso gibt es dort ein kleines Roteisensteinlager.
Gegen Ende der Devonzeit und zur Karbonzeit, vor etwa 300 Millionen
Jahren, begann die variskische Gebirgsbildung. Die Erdrinde erkaltete
immer mehr und schrumpfte zusammen. Durch diese Schrumpfung entstand
ein ungeheuerlicher seitlicher Druck. Die Gesteinsschichten wurden nun
zusammengeschoben und in SW-NO-streichende Sättel und Mulden
gefaltet. Diese Schichten treten unter geringer Überdeckung im
zentralen Bereich von Hundsangen zutage aus.
Über lange Jahrmillionen war das so entstandene Rheinische
Schiefergebirge Abtragungsgebiet.
Aus der Unterkarbon-Phase liegen wiederum in der Boschern in Richtung
Hadamarer Straße Diabasvorkommen.
Vor etwa 60 Millionen Jahren begann mit dem Tertiär die
Erdneuzeit. Aus dieser Epoche sind wieder Ablagerungen in unserer
Gemarkung erhalten geblieben. Es handelt sich dabei vorwiegend um Tone
und Sande, die den meist steil stehenden devonischen Schiefern und
Sandsteinen auflagern. Sie sind nordwestlich und
südöstlich von Hundsangen verbreitet. Tonvorkommen
gibt es z.B. an der Straße nach Wallmerod, dort, wo sich der
Fischweiher des Angel-Sportvereins befindet.
Während der Tertiärzeit, vorwiegend im
Miozän, wurden vulkanische Aschen und Lavamassen zur
Erdoberfläche emporgeschleudert und bedeckten große
Teile des Westerwaldes.
In einer weiteren Eruptionsphase im Jungtertiär
durchstießen gewaltige Lavamassen die Decken und ergossen
sich über weite Teile der Erdoberfläche. So
entstanden die ausgedehnten Flächen dunkler Basalte des Hohen-
und die zahlreichen Kuppen des Niederwesterwaldes.
In einem Einzelvorkommen wird im westlichen Teil unserer Gemarkung am
Ölberg (1820 noch Kahlberg genannt) seit 1892 bis
heute Basalt abgebaut. Je nach den Ablagerungsbedingungen wurden die
Lavamassen zu unterschiedlichem Basaltgestein herausmodelliert. Im Steinbruch am Ölberg finden wir den Säulenbasalt.
Abschließend kann man sagen, dass sich am geologischen Aufbau
des tieferen Untergrundes des Gebietes um Hundsangen im Wesentlichen
die Schichten aus der Devon- und Tertiärzeit beteiligen.
In späteren Epochen werden diese Ablagerungen von
Löß- und Verwitterungslehm überdeckt.

Medaillon des römischen Kaisers Caracalla; gefunden auf dem Hundsänger Friedhof (Originalgröße ∅ 4,3 cm).
Die ersten Spuren zeitweiliger Anwesenheit von Menschen in unserem
Raum führen uns in die Altsteinzeit. Schon vor etwa
50.000 Jahren sollen sie unsere Heimat als Jäger und Sammler
durchstreift haben. Funde in unserer Umgebung aus der Altsteinzeit
wurden in den Höhlen der Wildscheuer bei Steeden,
der Wildweiberley bei Diez, in einer Sandgrube bei Lindenholzhausen und
im Neuwieder Becken entdeckt.
Aus den darauffolgenden Kulturepochen der Mittelsteinzeit,
Jungsteinzeit, frühen Bronzezeit,
Hügelgräberbronzezeit, Urnenfelderzeit, Hallstattzeit
und Laténezeit wurden in unserer Gegend häufig
Funde gemacht, die auf eine dichtere Besiedlung schließen
lassen. Obwohl bis heute kein Fund aus diesen Zeiten in der
Hundsänger Gemarkung bekannt ist, deuten Funde in den
umliegenden Gemeinden daraufhin, dass auch Hundsangen von
Menschen aus diesen Epochen durchstreift wurde, wenn nicht sogar
besiedelt war.
Noch 1982 fand man am Miltersberg bei Obererbach, nahe der
Hundsänger Gemarkung, das Fragment eines Steinbeils aus der
Jungsteinzeit. Hier wurden schon 1944 bei Sprengarbeiten einige
Hallstattgräber zerstört und ein römischer
Denarfund gemacht.
Die ca. 820 gefundenen Münzen sind aufgrund von Untersuchungen
in die Zeit von 32 v. Chr. Bis 219 n. Chr. datiert worden.
Ebenso wurde auch 1944 an gleicher Stelle ein kleiner Wall aus
Basaltsteinen entdeckt, der wahrscheinlich mit den
Hallstattgräbern in Verbindung gebracht werden muss.
Aus Hundsangen ist bisher nur ein einziger Bodenfund aus der
Frühzeit bekannt geworden, der wegen seiner Einmaligkeit und
durch seinen Fundort außerhalb des Römischen
Reiches, rund 20 Kilometer vom Limes entfernt, von Bedeutung ist. Es
ist ein münzähnliches Stück aus Bronze, ein
sogenanntes „Medaillon“, mit einem Durchmesser von
4,3 cm. Auf der Vorderseite sieht man das belorbeerte, gewappnete
Brustbild Caracallas nach rechts schauend dargestellt, auf der
Rückseite den Kaiser in Rüstung und Siegerpose mit
einem Geschlagenen unter dem linken Fuß. In der linken Hand
zeigt sich ein Parazonium, die rechte ist auf den gesenkten Speer
gestützt. Die Münze wurde in Philippopolis (Stadt
Philipps) in Thrakien, heute Plovdiv in Bulgarien, für den
Kaiser Caracalla geprägt, dem sein Vater Septimius Severus den
Namen Marcus Aurelius Antonius III. (198 – 217 n. Chr.) gab.
Das Medaillon wurde auf dem Friedhof in Hundsangen wohl beim Ausheben
eines Grabes geborgen und befindet sich heute in der Sammlung
Nassauischer Altertümer im Museum in Wiesbaden.
Aufgrund der frühzeitlichen Funde des engeren Raumes
um Hundsangen kann man von einer andauernden Besiedlung seit der
Jungsteinzeit ausgehen.
Zukünftige Funde und Ausgrabungen werden mehr Informationen
über diese Zeiten bringen.
Erzbischof Hermann III. von Köln bekundet 1095/1096, dass
Heinrich und Diether, die Söhne Diethers des Älteren,
dem Abt Reginhard von Siegburg den größeren Teil
ihres Salhofes in Lay an der Mosel bei Koblenz verkauft haben.
Außer vier Bauernhofgütern (mansi) in Lay verkauften
die Brüder damals von ihrem Eigengut je ein Bauernhofgut in
Diefenbach, das zwei, und eines in Hundeszagel, das sechs
Schillinge Jahreszins gab. Die Urkunde ist erst in einem um
1132 bis 1140 geschriebenen, möglicherweise zum Teil
verfälschten angeblichen Original enthalten. Ohne Zweifel war
Diether, der Vater der beiden Brüder, der Stammvater der
Grafen von Katzenelnbogen, die sich zuerst 1102 nach ihrer wohl erst um
1100 erbauten Burg Katzenelnbogen nannten.
Die beiden Bauernhofgüter hat Vogel zuerst 1843 in
Niedertiefenbach und Hunzel bei Nassau gesucht. Es handelt sich
1095/1096 jedoch sicher um Niedertiefenbach bei Hadamar und Hundsangen,
da nur dort auch später umfangreicher, sicher alter
grundherrlicher Besitz der Grafen von Katzenelnbogen bezeugt ist.
Die Übersetzung der gesamten Urkunde sowie ein Lichtbild des Originaldokuments finden Sie auf der Seite
Urkunde.
Der Name Hundeszagel ist mit dem althochdeutschen Wort zagel (Schwanz)
gebildet und heißt Hundeschwanz. Der gleiche Name Hundeszagel
um 1250/1260 hat sich über Jahrhunderte etwas
verändert im Ortsnamen von Hunzel erhalten. Es war
ursprünglich wohl ein Flurname, der eher verständlich
als Hundeschwanz noch im Nassauischen vorkommt. In den Flurnamen
Hasenzahl, Kühzahl und Lämmerzahl hat sich auch das
Wort zagel (Schwanz), heute nicht mehr verstanden, im Nassauischen
erhalten.
Der Name des Ortes wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals. So
ist er in den nachfolgenden und noch anderen Schreibweisen
überliefert:
| 1096 |
Hundeszagel |
| 1289,
1430 |
Hundesangen |
| 1389, 1442, 1478, 1483 |
Hondesangen |
| 1441,
1500 |
Hunßangen |
| nach 1393 |
Hontzangen |
| 1424 |
Hundenshagen |
| 1453 |
Hundesanel |
| 1484 |
Honßangen |
| 1355 |
Hundesange |
| 1514,
1657 |
Hundtsangen |
| 1225, 1372, 1516 |
Hundsangen |
| 1580 |
Hondsangen |
| 1588 |
Honsangen |
| 1586 |
Honsßangen |
| 1447, 1758 |
Hunsangen |
| 1329 |
Huntsangil |
| 1333 |
Hundisangil |
| 1435 |
Huntzagel |
| 1340 |
Husangen |
| 1346 |
Hunczangel |
| 1453 |
Hondeßange |
| 1564 |
Horitzangell |
| 1744 |
Hundsangel |
| 2.
Hälfte des 16. Jh. |
Huntsangen |

Ausschnitt aus der preußischen Generalstabskarte, halbe Gradabteilung 1816-1847.

Eine Kartenaufnahme der Rheinlande durch Trauchot und von Müffling 1801-1820.
Das Land an der mittleren Lahn um Limburg gehörte zum
Niederlahngau. Aus geographischen Erwägungen dürfte
Hundsangen dem Niederlahngau zuzurechnen sein. Bis heute konnte man
dieses aber nicht urkundlich belegen.
Um 1053 erschienen im Niederlahngau dann Grafen aus anderen Familien,
die sich bald nach ihrer neuen Burg an der Lahn Grafen von Diez
nannten. In einer Urkunde von 1366 wird das Gericht
Hundsangen, zugehörig zur Graftschaft Diez,
erwähnt.
Im Diezer Vertrag von 1564 wurde Hundsangen dem
Kurfürstentum Trier unterstellt.
Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die
geistlichen Herrschaftsgebiete beseitigt. Nach dem Untergang des
Kurfürstentums Trier wurde Hundsangen dem Herzogtum Nassau
zugeteilt.
Durch den Bruderkrieg zwischen Preußen und
Österreich 1866, der mit der Niederlage Österreichs
endete, wurde Nassau, das auf der Seite Österreichs stand, dem
Königreich Preußen einverleibt. Nach diesen 63
Jahren nassauischer Herrschaft wurde das Amt Wallmerod mit Hundsangen
1866 preußisch.
Nach dem Zusammenbruch Deutschlands im Zweiten Weltkrieg kam Hundsangen
zum Land Rheinland-Pfalz.
Hundsangen gehört heute der Verbandsgemeinde Wallmerod, dem
Westerwaldkreis und dem Land Rheinland-Pfalz an.

Mit diesem Schreiben des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau, Prinz Philipp von Hessen vom 10. November 1936 wurde der Gemeinde Hundsangen das Führen eines Wappens und einer Flagge genehmigt.

Wappen von Hundsangen (Original).
Dieses Wappen wurde am 24.1.1936 beantragt und am 10.11.1936 amtlich
der Gemeinde Hundsangen verliehen.
Das Wappenbild zeigt ein auf Silber durchgehendes rotes Kreuz, belegt
mit blauem Schild, darin zwei übereinanderschreitende goldene
Löwen.
Erklärung:Im Hundsänger Wappen wird eindeutig die
Zugehörigkeit zu den
ehemaligen Landesherrschaften gezeigt.
Das rote durchgehende Trierer Kreuz soll an das
Kurfürsten- und Erzbistum Trier erinnern.
Das blaue Schild im Wappen mit den zwei
übereinanderschreitenden goldenen
Löwen soll die Zeit der Diezer Herrschaft dokumentieren.
Aus heraldischen Gründen wurde die rote Farbe des Diezer
Schildes in blau geändert, womit gleichzeitig die nassauische Landesherrschaft
angezeigt wurde.

Luftbildaufnahme des alten Pfarrhofes. Aufnahme vor 1964.
Will man Hundsangen erreichen, gleich aus welcher Richtung, so sieht
man weithin den Kirchturm unserer katholischen Pfarrkirche, das
Wahrzeichen einer alten, traditionsbewussten Gemeinde mit reicher
geschichtlicher Vergangenheit.
Die Pfarrei Hundsangen gehört wie Nentershausen, Meudt und
Salz zu den alten Kirchspielen auf dem Westerwald.
Wann die ersten christlichen Missionare in unserer Heimat gewirkt
haben, ist nicht genau bekannt. Vermutlich kamen sie gegen Ende des 6.
Jahrhunderts aus dem Trierer Raum in unsere Gegend, um hier
Missionstätigkeit auszuüben.
Zentraler Ort der Glaubensboten war sicher Dietkirchen an der Lahn,
denn hier bestand schon 730 eine karolingische Kirche. Später
wählten die Trierer Erzbischöfe Dietkirchen zum
kirchlichen Mittelpunkt des Niederlahngaus. Es wurde Sitz eines
Archidiakons des Erzbistums Trier.
Das Archidiakonat Dietkirchen gliederte sich auf in die Dekanate
Dietkirchen, Engers, Haiger, Kirberg, Marienfels und das
Archipresbyterat Wetzlar.
Das Kirchspiel Hundsangen gehörte mit 28 anderen Pfarreien dem
Dekanat Dietkirchen an. Hundsangen selbst war Mutterpfarrei und
kirchlicher Mittelpunkt vieler umliegender Orte. Folgende Gemeinden
gehörten zum Kirchspiel Hundsangen:
Malmeneich - hier pfarrte in
früheren Jahren die eine Hälfte des Dorfes Niederhadamar und die andere nach Hundsangen. 1838 wurde der ganze Ort dem Kirchspiel Hundsangen zugewiesen. Seit dem 1. Januar 1976 gehört Malmeneich zur Pfarrei Elz.
Obererbach - dort wurde 1883/4 eine Kapelle errichtet. Am 1.7.1952 wurde die Gemeinde in die Pfarrei Dreikirchen eingegliedert. 1991 wurde Obererbach
selbständige Kirchengemeinde.
Oberhausen/Pütschbach - (heute
Dreikirchen) wurden 1925 zur Pfarrvikarie erhoben.
Anfang November 1955 wurde für die drei Gemeinden Obererbach,
Oberhausen und Pütschbach „Auf der Hehl“ der
Grundstein für die neue Kirche gelegt, die am 19./20. Oktober 1957 eingeweiht wurde.
Steinefrenz/Weroth - diese beiden Filialen wurden in einer bischöflichen Urkunde vom 12.
Dezember 1904 mit Wirkung zum 1. Januar 1905 zu einer Kapellengemeinde mit eigenem Geistlichen und eigener Vermögensverwaltung
erklärt. Steinefrenz hatte schon 1525 eine eigene Kapelle.
Wallmerod - hier wird 1687 eine Kapelle erwähnt. Die heutige Kirche
„St. Maria Königin“ wurde 1962/63 erbaut. Der Ort wurde 1762 der
neugegründeten Pfarrei Berod zugeteilt. Dieser Ort wurde als erste Gemeinde von
Hundsangen abgetrennt und 1762 zur Pfarrei erhoben.
Ruppach - diesseits des Baches kam 1762
zur Pfarrei Berod. Später wurde das Dorf nach Meudt umgepfarrt.
Potenhain - ein schon nach 1467 ausgegangenes Dorf. Es lag nordöstlich von Girod.
Ferner gehörten vor dem Dreißigjährigen
Krieg noch die eingegangenen Orte Wenigenfrenz, Roth und Langeroth zur
Pfarrei Hundsangen.
Damit war Hundsangen allein aus dem ehemaligen Kirchspiel mit der
Mutterkirche als eigene Pfarrei übriggeblieben.
Über den Zeitpunkt der Gründung unserer Pfarrei
liegen uns keine Daten vor. Ein Pleban (Leutpriester) wird 1329
erwähnt. Die aber weit ältere Pfarrei war –
wie bereits geschildert – in das Archidiakonat Dietkirchen
und das Dekanat Dietkirchen eingegliedert. Um 1340 war die
Pastorie Hundsangen mit den dazugehörigen Zehnten und
Gülten (nämlich): ein Drittel der Zehnten zu
Malmeneich, Oberhausen, Erbach, die kleinen und großen
Zehnten zu Steinefrenz und Berod ein Lehen des Grafen von
Katzenelnbogen. 1346 hatte als Katzenelnbogener Lehen der Ritter Johann
Waldbott von Bassenheim den Zehnt und Kirchsatz zu Hundsangen.
1382 hatte der Waldpode Ludwig von Waldmannshausen und 1389 hatten die
Waldboten von Pfaffendorf den Zehnt und Kirchsatz. 1525 hatten sie das
Patronat als Lehen von Hessen und 1564 als Lehen von Nassau-Dillenburg
inne. Als diese Waldboten von Pfaffendorf zu Runkel und Hundsangen, der
Letzte dieses Geschlechts Melchior wurde in Hundsangen 1622 begraben,
ausstarben, kam 1621 das Patronat an die Freiherrn und späteren
Grafen von Walderdorff. Sie bekamen 1655 das
Präsentationsrecht und 2/3 des Zehnten im Gebiet der Pfarrei
Hundsangen vom Trierer Kurfürsten und Erzbischof Casper von
der Leyen.
In einer Urkunde des Zisterzienser-Klosters Marienstatt bei Hachenburg
vom 12. März 1329 wird der erste Pleban (Pfarrer) von
Hundsangen erwähnt.
In der Pfarrei Hundsangen ist heute kein Priester mehr. Bezugsperson
für die Pfarrei ist Diakon Ullrich
Schmaus seit dem 1.8.2000. Priesterlicher Leiter des gesamten
Pastoralen Raumes ist Pfarrer Michael Scheungraber in Nentershausen.
Heute gehört unsere Heimatgemeinde dem Bistum Limburg, dem
Bezirk Westerwald, dem Dekanat Meudt und dem Pastoralen Raum
Nentershausen an.

Inneres der alten Kirche vor 1964.
Unmittelbar an der Straße nach Hadamar steht unsere
altehrwürdige Pfarrkirche. Früher war sie kirchlicher
Mittelpunkt für viele umliegende Gemeinden. Sie ist dem hl.
Goar geweiht. Der im 6. Jahrhundert aus Aquitanien kommende Heilige
lebte und starb in einer Einsiedelei bei St. Goar am Rhein.
Das Goarpatrizinium der Hundsänger Pfarrkirche wird am 26.
April 1423 in einer Urkunde des Marienstiftes zu Diez erwähnt.
Hier heißt es: - Papst Martin V. verleiht dem Eberhard
Koehte, Kanoniker des Marienstifts im Tal Diez, Trierer
Diözese, die Pfarrkirche des hl. Goar zu Hundsangen gleicher
Diözese, die durch Verzicht des Crafto Frye vakant ist.
–
Der zweite Kirchenpatron ist der hl. Sebastian, dem ein Seitenaltar
gewidmet ist.
Die jetzige Pfarrkirche zeigt drei Bauabschnitte. Der älteste
Teil, der 38,2 m hohe Turm, dürfte aus dem 12. Jahrhundert
stammen. Das Schiff wurde von 1722 – 1726 unter Pfarrer
Häuser erbaut. 1964-67 wurde unter Pfarrer Franz Fischbach die
Kirche erweitert. Querhaus und Chor wurden angebaut und am 5.3.1967
durch Weihbischof Walter Kampe neu eingeweiht.
Durch diesen letzten An- und Umbau wurde die reiche einheitliche
barocke Ausstattung der Hadamarer Kunstschule in unserer Kirche stark
dezimiert und verändert. Übriggeblieben ist das
ursprüngliche Gehäuse der Orgel, die man 1834 in
Oestrich/Rheingau kaufte. Die ehemaligen
Gestühlswangen sind in den Bänken im Chor angebracht.
Der Hochaltar wurde im Original im Chor wiederaufgestellt. Bei seiner
Demontage am 8.6.1964 wurde im Altartisch eine Urkunde mit folgendem
Inhalt gefunden:
1737, 25.Juli. Ich, Lothar Friedrich von Nalbach, Bischof von Emmaus,
Weihbischof von Trier, habe die Kirche und diesen Altar konsekriert zu
Ehren des hl. Goar und habe die Reliquien der hl. trierischen
Märtyrer und der hl. Märtyrerin Laetania (?) in
diesen Altar eingeschlossen (inclusi = eingemauert).
Ich habe den einzelnen Christgläubigen, die heute und am
Jahrestag der Konsekration diese Kirche besuchen, einen Ablass
von 40 Tagen in der üblichen kirchlichen Form
bewilligt.
Fridericus, Bischof von Emmaus
Weihbischof von Trier
(dazu das bischöfliche Siegel)
Die vorgenannte Urkunde wurde bei der Einweihung 1967 im
neuen Altartisch in der Mitte des Chores wieder eingemauert.
Aus der alten Kirche sind noch einige Figuren und der Taufstein
erhalten.
Eine Zimmermannsnotiz im Glockenstuhl gibt uns die erste Nachricht
über die Glocken unserer Pfarrkirche. Mehrmals mussten die
Glocken durch neue ausgetauscht werden, weil die alten zersprangen oder
für Kriegszwecke beschlagnahmt wurden.
Das heutige Glockengeläut besteht aus fünf
Glocken. Die älteste Glocke ist aus 1922. Die
übrigen vier Glocken wurden 1948 gegossen und am 16.1.1949
geweiht. Sie läuteten das erste Mal am 30.1.1949.

Turnhalle an der neuen Schule. Einweihung am 30.10.1981.
Über das Hundsänger Schulwesen wurde 1664 erstmals
berichtet:
„Sie habe einen Lehrer, aber kein eigenes
Haus...“.
Um 1750 wurde ein Haus gekauft, das als Schule
diente.
Dieses Gebäude wurde 1890 durch Brand
vernichtet.
Wegen der steigenden Schülerzahl wurde in der
Güntherstraße eine neue Schule gebaut und 1968
bezogen.
1979 wurde die Hundsänger Schule Grund- und
Hauptschule.
Neben dem Schulgebäude wurde 1980/81 eine
Schulturnhalle
erstellt.
Seit dem 1.8.1991 ist die Hundsänger Schule wieder eine
Grundschule.
Am 10.10.1996 erhält sie den Namen
„Erich-Kästner-Schule“.
Die Schulleiterin
ist seit dem 1.8.2001 Frau Anja Poseck.
- „Hundsangen“ – Ein Westerwalddorf in neun
Jahrhunderten – 1096-1996
herausgegeben im Auftrag der Gemeinde vom historischen
Ausschuss 1996.
Redaktion: Karl-Heinz Kremer, Heinz Ludwig, Karl Wiedemann
ISBN 3-00-000520-X
Weitere Veröffentlichungen über die Geschichte von
Hundsangen:
- „Hundsangen Heimat“ von Joseph Wagenbach
herausgegeben von der Gemeinde Hundsangen 1964.
- „Freibeuter“
Vierteljahreszeitschrift
für Kultur und Politik.
1980, Freibeuter Verlag, Berlin, hier: „Hundsangen, Hundert Jahre in
einem Dorf“ von Klaus Wagenbach.
- 75 Jahre Kirchenchor „Cäcilia“ Hundsangen
1987, hier: „aus der Geschichte
unserer Heimatgemeinde Hundsangen“ von Heinz Ludwig.
weitere geschichtliche Informationen über Hundsangen:
Auskunft Gemeindearchiv
Heinz Ludwig, Josef Weidenfeller
Texte erstellt: Heinz Ludwig im November 2010